Kapitel 3
Da war doch eben was. War da nicht eben eine Geräusch im Speiseraum? Um diese Zeit dürfte sich da niemand befinden, sollte sich sein Gefühl wieder bewahrheiten? Denn es ist nicht das erste Mal. Schon oft hatte er das Gefühl, daß etwas nicht stimmt. Wie, als wenn man aufwacht und nicht weiß, ob es ein Traum war oder nicht. Doch dieses Mal ist es anders. Das Gefühl, das etwas geschieht, etwas völlig unerwartetes... Doch man weiß nicht was. Er schaute sich ständig um, doch niemand war da. Jedoch hatte er das Gefühl, daß ihn jemand beobachtet. Es machte ihn fast wahnsinnig. Das Brummen der Machinen schien ihm immer lauter zu werden, doch eigentlich kannte er das Geräusch doch, denn er hörte es jeden Tag. Vielleicht sollte er Commander Reyner fragen, denn der hatte selbst solche Erfahrungen erst in den letzten Tagen gemacht. Aber nun trifft es auch ihn. Er zweifelte...
Manchmal wunderte er sich über seine etwas zusammenhangslosen Gedankengänge, er hatte das Geschehen um ihn herum schon fast verdrängt, als plötzlich eine Erschütterung durch das Schiff ging. Aufgeregt liefen einige Crew-Mitglieder hastig an ihm vorbei. Er hat noch immer nicht begriffen, was passiert war. Sollte er ihnen folgen? Seine Müdigkeit war im Moment noch stärker als seine Neugierde. Plötzlich verstummte das monotone Brummen der Maschinen...
"Leutnant Se'Odro" hallte es plötzlich und ein sehr verschwommenes und verzerrtes Bild erschien auf der Monitorwand gegenüber seinem äußerst bequemen Sofa. Vielleicht hätte er doch ein Reparaturteam ordern sollen, seine visuelle Kommunikationsleitung zu erneuern. Se'Odro erkannte Commander Reyner auf der Bildwand, "Leutnant, sie müssen mir helfen! Das Kryponit-Antriebssystem scheint ausgefallen zu sein! Ich glaube, wir sind in Gefahr! Ich bin mir nicht sicher, sie können sich doch erinnern? Unser letztes Gespräch - ich hoffe, ich kann ihnen vertrauen. Treffen wir uns um 1,443 in der Furama-Bar."
Erst jetzt realisierte er, daß er die ganze Nacht wieder seine Kabinentür aufgelassen hatte. Verdammt, war das eine Nacht. Im Replikator stand noch ein inzwischen abgestandenes Bier und es roch, wie im Pumakäfig. Dummerweise konnte er kein Fenster zum Lüften aufmachen und die Ventilation arbeitet bei offener Tür auch nicht. "Se'Odro? Hallo?" Reyner schaute schon etwas sehr ungeduldig. Se'Odro's umherschweifender Blick erfaßte die Uhr: schon 1,439. Hastig antwortete er: "Geht klar." und versuchte sich mit einer schwunghaften Bewegung in Richtung Dusche zu begeben.
Seine nächste Erinnerung bestand aus dem Anblick seiner Kabinendecke. Da mußte wohl irgend so ein Prinzip der künstlichen Schwerkraft zwischen Sofa und Dusche zugeschlagen haben. Oder das Brummen in seinem Schaedel mochte schuld sein. Vielleicht war dies auch nur ein unbekanntes Paralleluniversum der literarischen Katastrophen, und der Kopfschmerz wurde durch die Anpassung verursacht?
In jedem Fall war er sich sicher, daß der Tisch gestern noch woanders gestanden hatte. Eine eiskalte Dusche würde ihm jetzt sicher wieder einen klaren Kopf bringen. War das alles nur ein seltsamer Traum? Er beeilte sich besser, er hatte keine Zeit, jetzt zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden, nur eines war gewiss: Reyner's Anruf eben war real und es herrschte wirklich eine seltsame Stimmung auf dem Schiff...
Er war schon den halben Korridor vorangekommen, als es ihm wie aus heiteren Himmel heraus überkam: "Se'Odro du Hornochse - DIE TÜR, DIE TÜR!!!" Wieder einmal aufgelassen, welche Schmach, also Kertwende und zurück. Als er nur noch wenige Meter bis zu dem fraglichen Objekt zurückzulegen hatte, bemerkte er in seiner Kabine eine Bewegung, die nicht zu seinem odirianischem Zwergbreitmaul-Opossum gehörte. Hastigst ging sein Griff zu seiner Dienstwaffe, die bedauerlicherweise noch immer neben der Dusche lag.
Naja, was konnte schon gefährliches in seiner Kabine sein? Er hatte doch eigentlich nichts zu befürchten. Also betrat er seine Kabine... Seine Waffe war noch da, auch der Tisch und das abgestandene Bier. Und sein oridianisches Zwergbreitmaul-Opossum schlief ruhig in einer Ecke des Käfigs. Die Ventilation müßte auch mal wieder repariert werden - die Klapper- und Kratzgeräusche darin sind ja heute verboten laut. Warum ist ihm das vorhin noch nicht aufgefallen? Plötzlich sprang die Uhr in sein Blickfeld, als die Ziffern auf 1,442 wechselten. Er beeilte sich und schloß sogar die Kabinentür hinter sich.
Als sich Se'Odro auf den Weg zur Brücke macht, wird das Schiff heftig erschüttert. Odro kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Sofort bricht die Stromversorgung zusammen und am rot blinkenden Licht erkennt er, daß die Lebenserhaltungssysteme am Limit arbeiten. Die Spuren der letzten Nacht sind auf einen Schlag verschwunden. Se'Odro setzt seinen Weg zur Brücke sofort wie vom Blitz getroffen fort. Auf der Brücke angekommen traut er seinen Augen kaum. Direkt vor dem Schiff ist etwas aufgetaucht, was er noch nie gesehen hat. Dieses "Ding" läßt seinen Atem stocken. Die Grösse übertrifft alles, was er zuvor gesehen hat. Reyner ist die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Diese 5 Sek. kammen allen wie eine Ewigkeit vor. Durch eine gewaltige Explosion auf der Backbordseite wurde die Stille zerrissen. Reyner hat den Ernst der Lage erkannt, und versucht gegen das Grollen anzuschreien: "Scheiße! Alle Energie auf die Schilde! Und dann seht zu, daß wir hier wegkommen." Mit diesen Worten aktiviert der erste Offizier den Antrieb und beschleunigt das Schiff auf Maximum.
Erst als sie sich wieder in Sicherheit füllen, wird das Schiff langsamer. Commander Reyner versammelt alle befehlshabenden Offiziere im Versammlungsraum. "Statusbericht", mit diesen Worten empfängt der Commander seine Offiziere. Se'Odro entgegnet als erster: "Wir haben auf den Decks 7 bis 14 Lecks in der Außenhülle. Außerdem laufen die Lebenserhaltungssysteme im Moment nur mit minimaler Leistung." - "Wie sieht's im Maschinenraum aus?" - "Nun Sir, wir haben einen Hauptantrieb verloren. Die obere Waffenphalanx ist schrottreif." - "Wie sieht's in der medizinischen Abteilung aus, Doc?" Der Doc senkt seinen Blick und berichtet: "Wir haben zwei Mann unserer Besatzung verloren. Zwei weitere liegen im künstlichen Koma, um eine Heilung zu ermöglichen. Mehrere Arm- und Beinbrüche, sowie Prellungen." Reyner wendet sich der Wand zu: "Wir können hier nicht viel alleine ausrichten. Wir müssen der Basis bescheid geben. Und in unserem Zustand würden wir sogar an einem Asteroidenfeld scheitern. Wir müssen zum nächsten Raumhafen, um das Schiff wieder einsatzfähig zu machen. Nehmen wir Kurs auf Alpha-Centauri..."
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